Forschung

WIE ALLES BEGANN

Den ersten Kontakt zur Wissenschaft hatte Alfred Grand vor 20 Jahren bei einer Reise in die USA. Damals war er auf der Suche nach erfolgreichen Konzepten in der Kompostierung mit Regenwürmern (Wurmkompostierung) und besuchte die Universität Berkeley in Kalifornien. Hier wurde eine Studie zur Wurmkompostierung durchgeführt, die Forscher stießen allerdings an ihre Grenzen, weil ihnen der Bezug zur Praxis fehlte. Bald Alfred klar, dass das kein Einzelfall war und Wissenschaft und Praxis viel enger zusammenarbeiten sollten.

ÖSTERREICHS ERSTER FORSCHUNGS- UND DEMONSTRATIONSBAUERNHOF

Zurück in Österreich suchte Alfred den Austausch mit Wissenschaftlern an der Universität für Bodenkultur und beteiligte sich an den ersten Forschungsprojekten. Ausgehend von den Regenwürmern entstanden innerhalb weniger Jahre Kooperationen mit beinahe allen relevanten Forschungsinstitutionen in Österreich.

Als die Zahl der Projekte von Jahr zu Jahr weiter zunahm, strukturierte Alfred allmählich den gesamten Betrieb um und gründete 2019 mit der GRAND FARM schließlich Österreichs ersten Forschungs- und Demonstrationsbauernhof. Neben der regulären landwirtschaftlichen Produktion arbeiten wir mit zahlreichen Forschungseinrichtungen aus dem In- und Ausland zusammen, um gemeinsam Lösungen für aktuelle Problemstellungen zu finden und neue Erkenntnisse weiterzugeben. Dabei stellen wir die Flächen der GRAND FARM und des GRAND GARTENs zu Verfügung, um an neuen Methoden zu forschen, Innovationen zu testen, Ergebnisse zu demonstrieren und für Interessierte erlernbar zu machen.

Wir haben uns zum Ziel gesetzt, als Drehscheibe zwischen Wissenschaft, Praxis und Gesellschaft zu fungieren, um den so wichtigen Austausch untereinander zu fördern. In unserer Arbeit konzentrieren wir uns dabei auf drei Schwerpunkte: Bodengesundheit, Agroforst und Marktgärtnerei.

INTERNATIONALE KOOPERATIONEN

2014 gelang der Zugang auf die Europäische Ebene. Die Europäische Innovationspartnerschaft für Landwirtschaft (EIP-AGRI) wurde gegründet und Alfred wurde eingeladen, in drei Beratungsgremien (Focus Groups) aktiv zu werden. Von 2019 bis 2021 war Alfred schließlich Mitglied des Mission Board for Soil Health and Food, einem 15-köpfigen Gremium, das die EU-Kommission bei der Vorbereitung der “Mission Boden” beraten hat.

Seit 2019 ist die GRAND FARM außerdem Teil des Lighthouse Farm Network, einer Initiative der namhaften niederländischen Agrar-Universität Wageningen. Dieses Netzwerk verbindet 11 ausgewählte landwirtschaftliche Betriebe aus der ganzen Welt. Alle diese Betriebe zeichnen sich durch außergewöhnliche Innovation und Lösungsorientierung aus, kooperieren allesamt mit Forschung und Praxis und dienen als Leuchtturmbetriebe für die nachhaltige Weiterentwicklung der Landwirtschaft. 

Auch in die USA sind die Kontakte nicht abgerissen. So gibt es eine enge Verbindung zum Rodale Institute, dem ältesten Bio-Forschungsinstitut in Nordamerika, sowie der Regenerative Organic Alliance (ROA), wo Alfred in den Aufbaujahren im Vorstand tätig war und nun Mitglied des ROA Soil Health & Land Management Sub Commitee ist. Seit 2024 ist die GRAND FARM als zweiter Bio-Ackerbaubetrieb Europas und der GRAND GARTEN als erster (!) Bio-Gemüsebetrieb Europas “regenerative organic certified”.

FÜR EINE REGENERATIVE ZUKUNFT

Unsere Forschungs- und Demonstrationsaktivitäten sollen allen Landwirtinnen und Landwirten dienen, die sich mit ihren Betrieben für eine regenerative bäuerliche Landwirtschaft einsetzen. Wir wollen damit einen Beitrag zu Umwelt- und Klimaschutz, zum Erhalt der Artenvielfalt, dem Bodenaufbau und einer nachhaltigen Lebensmittelversorgung unserer Gesellschaft leisten. Besonders wichtig ist es uns, junge Menschen für eine regenerative Landwirtschaft zu begeistern – vom Kindergartenkind bis zu Studentinnen und Studenten.

Für alle Menschen ab 18 Jahren bieten wir daher jedes Jahr Volontariate an, um unsere Arbeit hautnah erleben und erlernen zu können. Du hast Lust, deine Hände schmutzig zu machen und selbst anzupacken? Wir freuen uns auf deine Bewerbung inkl. Lebenslauf an grandgarten@grandfarm.at!

Du möchtest im Rahmen eines (Forschungs-)Projekts mit uns zusammenarbeiten und gemeinsam an der Weiterentwicklung der regenerativen Landwirtschaft arbeiten? Wir freuen uns über deine Nachricht!

UNSERE LAUFENDEN FORSCHUNGSPROJEKTE

AGRETAIN

Das Erasmus+ Projekt Agretain beschäftigt sich länderübergreifend mit der Marktgärtnerei als Lösungsansatz für die großen Herausforderungen in der europäischen Landwirtschaft. Das Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, die Wissensvermittlung zum Einstieg in die Marktgärtnerei voranzutreiben. Dafür werden Lehrpläne und Schulungsunterlagen entwickelt und eine E-Learning-Plattform aufgebaut. Der GRAND GARTEN bringt hier die Perspektive des Praxisbetriebes mit ein.

CLIMATE FARM DEMO

Climate Farm Demo ist ein paneuropäisches Netzwerk von Pilot-Demobauern, das 28 Länder abdeckt. Sein übergeordnetes Ziel ist es, die Übernahme von Praktiken und Lösungen des Climate Smart Farming (CSF) durch Landwirte und alle Akteure des Wissens- und Innovationssystems der Climate Smart Agriculture (AKIS) zu beschleunigen, um die landwirtschaftlichen Produktionssysteme an den Klimawandel anzupassen, bis 2050 einen kohlenstoffneutralen Agrarsektor zu erreichen und damit die Ziele der EU-Klimastrategie zu erfüllen.

FOCUS GROUP "REGENERATIVE AGRICULTURE FOR SOIL HEALTH"

Diese Fokusgruppe hat das Ziel, innovative regenerative
Praktiken zu fördern, die die Bodengesundheit und Produktivität landwirtschaftlicher Böden wiederherstellen oder verbessern. Es sollen die Vorteile und möglichen Herausforderungen in Bezug auf die Implementierung dieser Praktiken erarbeitet und diskutiert werden. Die Ergebnisse sollen im Laufe der Arbeit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

OG MARKTGÄRTNEREI

2022 haben sich zahlreiche Menschen aus Praxis, Forschung, Bildung, Beratung und Netzwerkorganisationen in der Operationellen Gruppe (OG) Marktgärtnerei zusammengetan, um sich erstmals wissenschaftlich mit dem Produktionssystem der Marktgärtnerei auseinanderzusetzen. Innerhalb der 3-jährigen Projektdauer werden umfassende Daten aus Pflanzenbau, Betriebswirtschaft und Bodenkunde erhoben und einer Vielzahl an Interessierten zugänglich gemacht. Damit soll die Gründung neuer Marktgärtnereien erleichtert und bestehende Marktgärtnereien gefördert werden. Der GRAND GARTEN ist einer von sechs Praxisbetrieben der Operationellen Gruppe.

SOIL HEALTH BENCHMARKS

BENCHMARKS baut ein europäisches Netzwerk auf, um die Forschung zu Bodengesundheit voranzutreiben, die europäische Bodengesundheit zu überwachen und sich für eine nachhaltige Landnutzung einzusetzen. Dazu werden 24 europäische Fallstudien betreut. Sie umfassen städtische, forstliche und landwirtschaftliche Böden. Unsere Marktgärtnerei GRAND GARTEN ist eine davon.

ABGESCHLOSSENE FORSCHUNGSPROJEKTE

BEST4SOIL

Im Projekt "Best4Soil" wurde ein Netzwerk von Praktiker*innen aufgebaut, die ihr Wissen über die Vorbeugung und Unterdrückung bodenbürtiger Krankheiten austauschen konnten. Die Erkenntnisse daraus wurden in großen Open-Access-Datenbanken bereitgestellt, in denen Informationen zu bodenbürtigen Krankheitserregern und Nematoden für Gemüse-, und Ackerbaukulturen sowie für Zwischenfrüchte zu finden sind. Ein wertvolles Werkzeug für den Aufbau geeigneter Fruchtfolgen und die Anwendung innovativer Bekämpfungsstrategien. Die Datenbanken sind nach wir vor kostenlos online abrufbar.

CO2 BILANZ MARKTGÄRTNEREI

Ziel dieser vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) durchgeführten Ökobilanzstudie war der Vergleich der Klimawirkung
des lokal und biologisch ausgerichteten Gemüsebausystems der Marktgärtnerei GRAND GARTEN mit dem im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) verfügbaren Gemüse inklusive Importen aus dem Ausland. Dabei wurden alle Phasen des Lebenszyklus, wie bei Nahrungsmitteln üblich, von der landwirtschaftlichen Produktion inklusive Vorketten bis zum Point of Sale berücksichtigt. Die überaus spannenden Ergebnisse sind im Factsheet über einen Klick auf den Info-Button einsehbar.

EIP FOCUS GROUP "IPM PRACTICES FOR SOIL-BORN DISEASES"

Von November 2014 bis September 2015 erhob die EIP-AGRI-Fokusgruppe den aktuellen Stand des Wissens und der Technik zu bodenbürtigen Krankheiten, Pilzen und Nematoden und bewertete verschiedene Methoden der Bekämpfung in Gemüse- und Ackerkulturen. Die Ergebnisse sind in einem umfangreichen Endbericht zusammengefasst, der über den folgenden Info-Button abgerufen werden kann.

EIP FOCUS GROUP "MOVING FROM SOURCE TO SINK IN ARABLE FARMING"

Hier haben wir uns der Frage gewidmet, welche kosteneffizienten Praktiken und Iinstrumente die langfristige Kohlenstoffspeicherung im Ackerbau fördern und so zum Klimaschutz beitragen können. Dabei wurden folgende Bewirtschaftungsmethoden als besonders vielversprechend bewertet und im Endbericht beschrieben: Mulch, Zwischenfrüchte, Fruchtfolgen, Agroforstwirtschaft, Zugabe von organischen Zusatzstoffen aus lokalen Quellen, reduzierte Bodenbearbeitung, Precision Farming und Regulierung des Bewässerungswasserverbrauchs.

EIP FOCUS GROUP "ORGANIC FARMING, OPTIMISING ARABLE YIELDS"

Diese Fokusgruppe beschäftigte sich mit der Frage, warum die Erträge zwischen Biobetrieben oftmals so stark variieren und wie diese Ertragsunterschiede minimiert werden können. Die Erkenntnisse aus dieser Arbeit, die Zusammenfassung, wie die begrenzenden Faktoren angegangen werden können und die Ermittlung des verbleibenden Forschungs- und Innovationsbedarfs sind im Endbericht der Fokus Gruppe einsehbar.

HECK.IN

Beim Projekt Heck.in des Bundesamts für Wasserwirtschaft wurde ein Bewertungssystem für Hecken erarbeitet, in dem umfassende Erkenntnisse aus wissenschaftlichen Studien zu den Prozessen und Funktionen im Umfeld von Hecken zusammengefasst wurden. Die Bewertung erfolgt anhand des Konzepts der Ökosystemleistungen in einfacher und ohne Vorkenntnisse umsetzbarer Art und Weise. Auch unsere 2017 angelegte Hecke auf dem Gelände des GRAND GARTENs wurde hier bewertet.

LANDMARK

Das Projekt LANDMARK beschäftigte sich unter der Leitung der Universität Wageningen mit den verschiedenen Bodenfunktionen und mit der Frage, wie wir unsere Böden optimal nutzen können, sodass sie alle wichtigen Bodenfunktionen erfüllen können. Die Partner des Konsortiums haben dabei eine breite Palette nationaler und EU-Datenbestände zusammengeführt, um einen interdisziplinären wissenschaftlichen Rahmen für eine nachhaltige Bodenbewirtschaftung zu entwickeln. Die Outputs sind auf der Projektwebsite abrufbar.

MASTERARBEIT "MACHBARKEITSSTUDIE KREISLAUFWIRTSCHAFT"

Matthias Matzenberger hat in seiner Masterarbeit eine Machbarkeitsstudie zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft von regionalem Gemüse – am Beispiel der „Kooperation Wagram“ und der Marktgärtnerei „GRAND GARTEN“ durchgeführt. Die Masterarbeit befasst sich mit der Planung und Umsetzung einer gemeinschaftlich genutzten Lagerstruktur für insgesamt neun Marktgärtnereien in der Region Wagram im Weinviertel Niederösterreichs. Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Umsetzung einer gemeinschaftlich genutzten Lagerstruktur für Gemüse viele Vorteile für die Region Wagram als auch die Marktgärtnereien mit sich bringen würde.

OG BIOBO

Im Rahmen des Projekts wurde in der Ackerbauregion Ostösterreich eine Operationelle Gruppe (OG) bestehend aus BiolandwirtInnen, Beratern und Wissenschaftlern etabliert. Ziel war es, Erfahrungen zur reduzierten Bodenbearbeitung im biologischen Landbau in Verbindung mit Gründüngungsmaßnahmen auszutauschen und entsprechende Feldversuche durchzuführen. Die Erkenntnisse der Zusammenarbeit sind über den nachfolgenden Info-Button kostenlos abrufbar.

OG KLIWA

Hauptziel der Operationellen Gruppe (OG) KLIWA war die Entwicklung und Überprüfung von innovativen Strategien zur Erhöhung der Resilienz gegen Klimawandelfolgen im Ackerbau. Die Erkenntnisse aus dem Projekt sollten in umsetzbare Strategien für landwirtschaftliche Betriebe überführt und auch an weitere Interessierte kommuniziert werden. Das Projekt hat damit einen Beitrag zur Entwicklung von Strategien zur Anpassung an den Klimawandel auf landwirtschaftlichen (Bio-) Betrieben geleistet. Die Ergebnisse sind nach wie vor online abrufbar (Klick auf den Info-Button).

TRAECE

Das Ziel des Projekts „trAEce“ war es, Landwirten und Trainern Schulungswerkzeuge zu Verfügung zu stellen, die dabei unterstützen sollen, agrarökologische Prinzipien in die landwirtschaftliche Praxis zu integrieren. Dazu wurden Erfahrungen und Expertise von sechs namhaften Institutionen aus fünf europäischen Ländern (Ungarn, Rumänien, Österreich (das waren wir), Tschechien und Portugal) gebündelt und umfangreiche Schulungsunterlagen entwickelt. Die Unterlagen stehen auf der trAEce Website kostenlos zum Download zu Verfügung.